TIERethik - Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung

Zusammenfassung

„Negative Integrität“: Das Konzept der Leiblichkeit in der Ethik der Mensch-Tier-Beziehung
Martin Huth


Zusammenfassung


Dieser Aufsatz soll zeigen, dass eine Ethik der Mensch-Tier-Beziehung auf die Leiblichkeit als Gesamtheit der Existenz rekurrieren muss. Jedes Moralkriterium, das einzelne Züge aus der leiblichen Existenz abstrahiert, läuft unweigerlich Gefahr, zu kontraintuitiven Schlüssen zu kommen – dies wird anhand der „klassischen“ Zugänge von Peter Singer und Tom Regan vorexerziert. Als Alternative beschreibe ich einen Ansatz, der sich unter den Begriff der Negativen Integrität subsumieren lässt: Es geht um die unmittelbare Wahrnehmung eines (nichthumanen) Anderen in seiner Verletzlichkeit. Dabei ist diese Verletzlichkeit integraler Teil jeder Wahrnehmung des Anderen, die damit nicht mehr ethisch neutral sein kann. Von besonderer Bedeutung ist, dass die Leiblichkeit alle existentiellen Dimensionen vereint, von der psychophysischen Integrität des Selbst bis zu seinem Verhaltensspielraum als Interaktion mit seiner Welt.

 

Schlüsselwörter: Mensch-Tier-Beziehung, Leiblichkeit, Negative Integrität, Tierethik