TIERethik - Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung

Zusammenfassung

Wolf und Mensch – Skizzen einer dramatischen Beziehung
Utz Anhalt


Die Bilder, die Menschen vom Wolf entwerfen, sagen viel über die Menschen aus und nur wenig über den Wolf. Die Kulturen der Antike sahen im Wolf eine dunkle Seite, verehrten ihn zugleich als Sinnbild der Krieger, des Todes und der Aufklärung. In den Hirtenreligionen des Nahen Ostens, besonders im Christentum, wurde der Beutegreifer, der auch die Tiere der Hirten jagte, zum Ausdruck des metaphysischen Bösen. Dieses negative Bild entwickelte sich in den Hungerzeiten, Kriegen, Seuchen und der Klimakatastrophe der frühen Neuzeit Europas zu einer kollektiven Psychose, die mit dem Tier Wolf nur noch wenig zu tun hatte. Das Bild vom Wolf bei American Natives steht diesem Hass diametral entgegen. American Natives verehrten den Wolf als Kulturschöpfer, Jagdlehrer und Führer in der Wildnis, als Vorbild für soziales Verhalten und als Bruder.


Schlüsselwörter: Wolf, Werwolf, Wolf und Mensch, Hirten, Jagd