TIERethik - Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung

Zusammenfassung

Der Umgang mit „invasiven“ Arten – eine kritische Analyse aus biologischer und rechtlicher Sicht
Katerina Stoykova & Gabriela Gschwend


Der Umgang mit invasiven Arten ist gemäß den Grundsätzen des Schweizer Bundesamtes für Umwelt (BAFU) zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt (in Form nationaler Arterhaltung) von zentraler Bedeutung.1 Eine nähere Betrachtung der Kriterien zur Einteilung gebietsfremder Arten in invasiv und nicht-invasiv lässt jedoch auf eine speziesistische Herangehensweise schließen, wobei anthropozentrische Interessen stark ins Gewicht fallen und die Interessen der Individuen der als invasiv qualifizierten Tierarten keine angemessene Berücksichtigung finden. Insbesondere im Hinblick auf den verfassungsmäßigen und gesetzlichen Schutz der Tierwürde und dessen Tragweite ist nicht nur aus ethischer, sondern auch aus rechtlicher Sicht höchst fragwürdig, ob die Tötung von Tieren als invasiv eingestufter gebietsfremder Arten, wie sie heute vielfach stattfindet, tatsächlich gerechtfertigt ist. Zwar gewährt das Schweizer Tierschutzrecht Tieren keinen ausdrücklichen generellen Lebensschutz; das Würdeschutzkonzept würde einen solchen jedoch klar gebieten. Folgerichtig müssten Tötungsmaßnahmen und die damit verfolgten Ziele einer objektiven Verhältnismäßigkeitsprüfung unter angemessener Berücksichtigung der Interessen der betroffenen Tiere unterzogen werden, was auch der immer lauteren gesellschaftlichen Forderung nach einem fortschrittlicheren Tierschutz und einer konsequenteren Umsetzung des Würdeschutzkonzepts entsprechen würde.


Schlüsselwörter: invasive Arten, Artenschutz, Speziesismus, Tierschutz, Tierwürde