TIERethik - Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung

Zusammenfassung

Fremde Arten
Josef H. Reichholf


Der von Naturschützern seit Jahren verfolgte Kreuzzug gegen „fremde Arten“ hat 2016/17 mit der Veröffentlichung einer EU-Liste invasiver Arten einen neuen Höhepunkt erreicht. Diese „Schwarze Liste“ enthält 49 Tier- und Pflanzenarten, die innerhalb der EU schonungslos verfolgt und möglichst wieder ausgerottet werden sollen. Darin enthalten sind Säugetiere und Vögel wie Waschbär, Nasenbär, Muntjak, vier Hörnchenarten sowie der Heilige Ibis, also hoch entwickelte, leidensfähige Arten. Die nähere Betrachtung ergibt, dass für die Verdammung dieser Arten keine wissenschaftlich fundierten Befunde vorliegen. Es wird lediglich vermutet, dass sie wirtschaftliche Schäden und ökologische Veränderungen verursachen könnten und die „heimische Fauna und Flora verfälschen“ würden. Offenbar stehen Interessen der Jäger, Angler und der Land- und Forstwirtschaft dahinter. Der Naturschutz hat sich davon vereinnahmen lassen, weil es zu seiner Philosophie der Ablehnung fremder Arten passt. Da solche Haltungen anderen, gefährlicheren Strömungen als Deckmantel dienen, sind sie besonders kritisch zu hinterfragen. Aus ethischer Sicht sind sowohl die „Schwarze Liste“ im Speziellen als auch die Trennung von Arten in „heimisch“ und „fremd“ abzulehnen.


Schlüsselwörter: fremde Arten, invasive Arten, Naturschutz, Artenschutz