TIERethik - Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung

Zusammenfassung

Fleischproduktion – ein „vernünftiger Grund“ für die Tötung von Tieren?
Regina Binder & Rudolf Winkelmayer

Zusammenfassung


Die Verwendung von Tieren zur Fleischproduktion und ihr Einsatz zu wissenschaftlichen Zwecken stellen die bedeutendsten Formen der Tiernutzung in der westlichen Welt dar. Während die Zielsetzung des supranationalen und nationalen Tierversuchsrechts nicht nur darin besteht, die Anzahl der Tierversuche und der Versuchstiere auf das unerlässliche Maß zu reduzieren, sondern den gänzlichen Verzicht der Verwendung lebender Tiere zu Forschungszwecken als Fernziel anstrebt, finden Überlegungen über eine bedarfsorientierte Einschränkung der Fleischproduktion oder gar über einen Ersatz von (konventionell) produziertem Fleisch im allgemeinen Tierschutzrecht keinen Niederschlag. Zwar muss die Tötung von Tieren nach den Tierschutzgesetzen Österreichs und Deutschlands durch einen „vernünftigen Grund“ gerechtfertigt sein, doch wird dieser im Hinblick auf die Tötung von Tieren zur Gewinnung von Fleisch vom Gesetzgeber fingiert, obwohl die derzeit praktizierte Fleischproduktion eine Reihe schwerwiegender Folgen für Ökologie, Verteilungsgerechtigkeit und (Volks-)Gesundheit nach sich zieht und z.T. mit erheblichem Tierleid verbunden ist. Während die Rechtfertigung der Verwendung von Tieren zur Fleischproduktion somit unhinterfragt vorausgesetzt wird, muss die ethische Vertretbarkeit jedes tierexperimentellen Projekts durch eine Schaden-Nutzen-Analyse beurteilt werden, obwohl Versuchstiere keineswegs generell einer höheren Belastung ausgesetzt sind als landwirtschaftliche Nutztiere. Insgesamt zeigt ein Vergleich der tierschutzrechtlichen Bestimmungen für Nutz- und Versuchstiere, dass Tierversuche wesentlich strenger reglementiert sind als die Nutzung von Tieren zum Zweck der Fleischproduktion.

 

Schlüsselwörter: Fleischproduktion, Tierversuche, Tierschutzrecht, Alternativlosigkeit, Verhältnismäßigkeit