TIERethik - Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung

Zusammenfassung

Vegetarier ohne Überzeugung? Eine pragmatische Lösung für den Konflikt ums Fleisch
Mara-Daria Cojocaru

Zusammenfassung


In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Frage, ob man Fleisch isst oder Vegetarier ist, vielfach als eine private Frage begriffen, ja, als eine des persönlichen Geschmacks, wenn Geschmacksfragen solche sind, in denen man schwerlich dem anderen etwas vorzuschreiben hat. In der Ethik wird der derzeitige Fleischkonsum dagegen zunehmend verurteilt. Für die Moralpragmatik stellt sich in dem Kontext die Frage, wie theoretische moralische Urteile in Handlungsdispositionen übersetzt werden können. Dazu mache ich aus pragmatischer Perspektive ein Angebot in Form der „Vegetarierin ohne Überzeugung“, für die sowohl die gemeinschaftlich verfasste Praxis des Essens als auch die Pluralität von Überzeugungssystemen zentral ist. Statt letztere zu vereinheitlichen, schlage ich vor, die vielförmigen Zweifel zu nutzen, die sich durchschnittlich Essende aus ihren eigenen Perspektiven erschließen können. So komme ich zu dem Resultat, dass man gut daran tut, auch dann kein Fleisch zu essen, wenn man noch nicht davon überzeugt ist, dass es moralisch falsch sei. Diese „Vegetarierin ohne Überzeugung“ soll zum Schluss gegenüber dem Einwand bestehen, dass sie die Bedeutung subjektiver Geschmacksfragen verkenne.

 

Schlüsselwörter: Tierethik, Vegetarismus, Pragmatismus, Moralpragmatik, moralische Unsicherheit