TIERethik - Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung

Zusammenfassung

Ökologische und soziale Probleme des überhöhten Fleischkonsums. Überblick und Ansätze für Wege aus der Krise
Susanne Stoll-Kleemann

Zusammenfassung


Neben den offensichtlichen gravierenden tierethischen Problemen zieht der hohe Fleischkonsum, der insbesondere in Industrieländern zu beobachten ist, auch äußerst problematische ökologische und soziale Folgen nach sich. Der Beitrag stellt diese vielfältigen ökologischen und sozialen Auswirkungen vor. Zu den ökologischen Konsequenzen gehören die hohen Biodiversitätsverluste durch Entwaldungen für Flächen für den sehr hohen und nicht-nachhalti-gen Futtermittelanbau für die Fleischproduktion, der hohe Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung, u.a. durch hohe Stickstoff- und Phosphoreinträge bei der Düngung, und der mit 14,5 Prozent hohe Beitrag zum Klimawandel. Zu den sozialen Auswirkungen gehören die Gefährdung der Nahrungsmittelsicherheit, die Vertreibung lokaler Bevölkerung von für den Viehfuttermittelanbau vorgesehenen Flächen, die Zerstörung der lokalen Märkte, z.B. in Afrika durch europäische Fleischexporte, und negative gesundheitliche Auswirkungen. Um adäquate Wege aus der Krise aufzeigen zu können, werden zunächst die Gründe für den hohen Fleischkonsum und die Barrieren für dessen Reduzierung analysiert. Dazu gehören individuelle Faktorenwie Gewohnheiten, Wissen, Werte, Emotionen, Persönlichkeitseigenschaften und sozio-demographische Merkmale. Auch sozio-kulturelle sowie politische und ökonomische Faktoren spielen eine Rolle. Um einen massiven Rückgang des hohen Fleischkonsums in Industrieländern erreichen zu können, gibt es zahlreiche Vorschläge auf der politischen Ebene, wie den Abbau von schädlichen Subventionen in der Landwirtschaft, die jedoch in Deutschland aufgrund des mangelnden politischen Willens nicht umgesetzt werden. Deshalb sind Vorschläge und Argumentationen, die auf eine individuelle Verhaltensveränderung abzielen, auszuschöpfen. Dazu gehört die Veränderung von sozialen und kulturellen Normen, z.B. über die Sichtbarmachung von Rollenvorbildern, um auch neue Zielgruppen für einen veränderten Fleischkonsum zu gewinnen.

 

Schlüsselwörter: Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Fleischkonsum, Verhaltensveränderung, pflanzenbasierte Ernährungsweise